… Diabetiker sind Umweltsünder

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Blöde Überschrift – aber mir ist spontan nichts besseres eingefallen – zumal wir ja dazu gezwungen werden.

Das ich Diabetes habe, weiß ich seit einigen Jahren. Drauf gebracht hat mich meine Mutter welche selbst seit Jahrzehnten Diabetikerin ist. Das ganze Programm – Tabletten und Insulin. Erst nur Tabletten, dann ein Langzeitinsulin – wenn das nicht mehr reicht als Intensivtherapie mit Zucker-Messung und Insulininjektion zu jeder Mahlzeit. Ich kann also nicht sagen, das ich nicht wusste, was da potentiell auf mich zu kommt.

Die Tabletten habe ich bereits über Jahre gewissenhaft genommen – nur vor den Spritzen habe ich mich immer gerückt. Die meisten unangenehmen Dinge geht man erst wirklich an – wenn es eigentlich schon zu spät ist. Mit dem Rauchen ist das ja nicht wirklich anders.

Nachdem man mir mitgeteilt hat, das meine Knochenschäden im Fuß auch vom Diabetes kommen habe ich natürlich angefangen, die Welt mit anderen Augen zu betrachten. Ja, manchmal neige ich dazu etwas andere Ansichten als Andere zu haben – aber in gesundheitlichen Fragen …. Nun ja – ich hab ja Zeit genug mich in die ganze Fachlektüre rein zu lesen und ein besserer Mensch zu werden.

Dazu gehört natürlich auch, das man sich mit den Diagnosemethoden befasst. Um den Blutzucker im Auge behalten zu können muß man regelmäßig messen. Das kennt man in der Regel mit den Instrumenten auf dem Bild. Das Blöde dabei ist, das man das Equipment immer bei sich haben muss. Und man braucht den Platz (Hygiene) und die Zeit das Ganze zu “zelebrieren”. Danach stellt sich dann die Frage – wohin mit dem Müll. Sondermüll wohl bemerkt. Bei jeder Messung fällt mindestens ein Teststreifen an – je nach Stechhilfe eine Nadel und nach persönlichem Gusto vielleicht auch noch ein Desinfektionstuch auf jeden Fall aber einen Tupfer, denn wenn man in den Finger sticht, dann blutet er.

Ein Haufen Müll – so auf den Monat betrachtet. Bei Intensivpatienten mit bis zu 4 Insulingaben am Tag, fällt das Ganze mindestens 4 mal an. Bei Patentien, die wie ich bisher, nur ein Langzeitinsulin spritzen genehmigt die Krankenkasse ja nur zwei Meßstreifen. Ich unterstelle aber mal – mit einem lachenden und einem weinenden Auge – das dabei Müllvermeidung nicht der Fokus ist. Es geht wie immer in diesem Land (und anderen) um die Kosten.

Ich wage allerdings den Wert diesen Handels als nicht wirklich effektiv zu bezeichnen. Grundsätzlich ist es sicher nicht verkehrt vor einer Mahlzeit zu wissen, wo der Blutzucker aktuell steht. Was das oben beschriebene Verfahren aber nicht liefert sind Tendenzen und Werte die zwischen den Messungen liegen.

Erklären wir es dem Nichtdiabetiker – Nach jeder Mahlzeit (oder Getränk oder Süßigkeit oder Chip) verändert sich der Blutzuckerspiegel. Gleiches tut er übrigens auch bei z.B. körperlicher Anstrengung. Für einen Intensiv-Diabetiker ist es daher auch wichtig seinen Blutzucker zu kennen, wenn er beabsichtigt Sport zu machen. Egal – es gibt Systeme, mit denen das geliefert werden kann – ich trage sowas seit einigen Monaten. Mal abgesehen vom technischen Coolness-Faktor, kann ich damit meinen Zucker immer Auge haben. Ich kann aufgrund der gespeicherten Historie Rückschlüsse ziehen – woran vielleicht eine Reaktion auf eine gewisse Speise gelegen hat – warum die Pizza den einen Tage nur bis 220 ausgeschlagen ist, die Calzone zwei Wochen später aber bis 350. Und ich kann daraus lernen – das die Calzone deutlich harmloser wird, wenn man davor (besser aber danach) mal ne Stunde radfahren oder laufen geht. Blöd, geht ja nun aktuell nicht. Also eher die kleine Pizza – oder mal keine.

Was mich an dem System aber noch viel mehr begeistert: Ich produziere außer zwei Sensoren im Monat keinen Müll. Liebe Krankenkasse – in unserer heutigen Zeit wo alle langsam merken das wir nur einen Planeten haben, sollte auch der Öko-Faktor eine Rolle spielen. Und was meinen Komfort angeht: Ich muß mich nicht stechen – ich muss keine Rücksicht auf Befindlichkeiten von Mitmenschen nehmen – ich kann messen, wenn ich das will. Und dazu brauche ich nicht einmal ein elektronisches Meßgerät (Elektroschrott). Die Systeme sind soweit, das sie per Handy-App funktionieren und das hat heute ja fast jeder in der Tasche.

Fatalerweise zahlt die Krankenkasse diese Sensoren aber nur, wenn Du bereits Intensiv-Insulin-Patient bist. Als “Langzeit-Insulin” Patient …..

Für den Nichtdiabetiker auch das erklärt: Der Intensiv-Patient benötigt in der Regel zu jeder Mahlzeit eine Insulingabe um die akute Belastung zu mildern – Langzeit-Patienten, wie ich, injizieren sich ein oder zweimal am Tag ein lang wirksames Insulin unabhängig von den Mahlzeiten und regulieren den Tagesverlauf durch Kontrolle (Reduzierung und/oder Auswahl) ihrer Mahlzeiten.

Als “Langzeit-Insulin” Patient bekommt man die oben erwähnten zwei Messstreifen pro Tag zugestanden. Mit denen kann man aber nicht sehen, wie sich eine Mahlzeit auswirkt – ob man vielleicht den Snack auslassen sollte oder ob dank bewusstem Vormittag und Bewegung am Mittag Nachmittags nicht doch ein kleines Stück Lebensqualität (in Form einen Kuchenstücks) in die Kurve passt. Die Sensoren – die einem eigentlich helfen können zu verhindern in die Situation zu kommen, das man auf Intensiv-Insulin angewiesen ist, muss man leider selbst bezahlen. Ob da nicht die Sensoren billiger wären als die Langzeitschäden?

Über die Qualität und die Tücken der ökologischen-komfortablen-müllreduzierten Blutzuckermessung schreibe ich Euch ein anderes mal.

Euer Rolli

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