… Influencer … Influenza …

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay


Dem aufmerksamen Leser ist es vermutlich nicht entgangen – am Sonntag gab es keinen neuen Post. Das lag nicht dran, das die Technik nicht funktioniert hätte oder das ich bereits jetzt eine Schreibblockade hätte. Ich habe mir sozusagen eine Auszeit genommen. Habe ich früher nie gemacht – freie Tage waren eher sowas wie ein Unfall. Aber – mein Leben hat sich ja gründlich verändert. Ich habe jetzt Zeit mir mal gründlich die andere Seite anzuschauen – bevor ich hoffentlich bald wieder in den Beruf zurück kehren kann. Derzeit beschränken sich meine Optionen auf sitzen oder liegen. Liegen ist auf Dauer blöd. Ich hab es eine Weile ausprobiert, aber zum Einen tun mir dann alle Gelenke weh zum anderen neige ich dazu immer wieder einzuschlafen. Dann kann ich Nachts nicht schlafen – was dazu führt, das ich morgens nicht wach werde. Ist doch egal? Ja, im Grunde schon – denn ich kann ja sowieso nicht weg. Aber ich weigere mich zu verhartzen – mein Zustand ist temporär und ich setze alles daran, das er so schnell wie möglich vorüber geht.

Außerdem käme ich ja, wenn ich morgens früh nicht aufstehen würde zum Einen nicht in den Genuß mit meiner Frau zu frühstücken und zum Anderen würde ich ja verpassen, was die Medien so für den gehandicapten Bürger tun.

Ich hatte es bereits erwähnt, das ich die geschriebene Nachricht dem Videobeitrag vorziehe. Während meiner “ich liege auf der Couch rum Experimente” habe ich auch das “wie lange hält man das Fernsehprogramm aus” Experiment gemacht. Begonnen habe ich mit dem Test: Lesen oder schauen. Also Morgenmagazin, Frühstücksfernsehen, Guten Morgen Deutschland und wie sie alle heißen – bunte Bilder , für meinen Geschmack extrem viele hohles Geschwafel dazwischen (das man damit Geld verdienen kann *wunder*) und dann Beiträge von denen mich vielleicht 20% interessieren die aber zu kurz kommen und der Rest wird ausgewalzt bis zum geht nicht mehr, als wenn die wüssten, das ich nicht weglaufen kann.

Also habe ich die Strategie gewechselt. n-tv, welt, kalbel 1 doku …. aber das Ergebnis war ähnlich. Das Geschwafel war deutlich weniger – gerade zu erträglich. Aber die Beiträge – kein Vorwurf, ich könnte ja meinen eigenen Sender gründen wenn es nur für mich sein sollte – waren jetzt auch nicht das, was mich reizte. Was mich dagegen gereizt hat, war das ich die gleichen Sendungen immer wieder gesehen habe. Leute, wenn ihr Hartz-TV macht, dann könnt ihr davon ausgehen, das die Leute, die Montags vor dem Fernsehen gelegen haben, das vermutlich auch Dienstag und Mittwoch und Donnerstag …. Du verstehst schon … tun werden. Es gibt also nur drei Gründe die gleichen Sendungen immer wieder zu senden:

1. Das Archiv ist leer – es ist nichts anderes mehr da und es herrscht die pure Verzweiflung

2. Die Programmgestaltung ist vom Service Gedanken geprägt. Man geht davon aus, das ein Großteil der Klientel sich das Programm schön gesoffen hat und so nicht komplett mit bekommen hat – daher gibt man den Betroffenen die Chance, das Programm am Folgetag noch mal zur Gänze zu erleben.

3. Man kalkuliert von vornherein ein, das die Masse derer, die zu solchen Uhrzeiten fernsieht ohnehin intellektuell nicht in der Lage ist einem Programm, das über die Länge eines WhatsApp oder TikTok Clips hinausgeht zu folgen.

Irgendwie bestand dann die Gefahr, das ich durch das ewige Kopfschütteln meiner langen Liste an gesundheitlichen Problemen noch eine Gehirnerschütterung hinzufüge. Also habe ich den Fernseher ausgeschaltet und mich wieder dem Lesen gewidmet.

Immer mal wieder findet ich so bei n.tv was, das interessant ist – was nicht interessiert braucht man ja nicht anzuklicken.

Am Wochenende bin ich dann über eine Kolumne gestolpert – “In Vino Verena – Wie Influencer die Gesellschaft vergiften.

Der einleitende Textblock umreist das Thema und die Autorin geht mit dem Trash-TV Business nicht gerade zimperlich um. Ich habe mich immer gefragt, wer diesen ganzen Müll eigentlich sieht. Im Zuge der Vorbereitung dieses Posts habe ich natürlich auch Hausaufgaben gemacht: Sommerhaus der Stars, Promi Big Brother, Laura und Wendler, Promis unter Palmen ….. Promis?….. ein Witz in sich …. Alter, da stecken Millionen in dem geistigen Müll. Eine Konsumentin dieser Machwerke konnte ich inzwischen identifizieren: Verena Maria Dittrich. Aber das Geheimnis ist natürlich einfach – sie wird dafür bezahlt. Ich hoffe das Schmerzensgeld ist hoch genug.

Über das Thema Promis hatte ich mich ja bereits ausgelassen – und Frau Dittrich hat schön dargelegt wie die schreibende Zunft – und vor allem auch die Fernsehindustrie dazu beitragen Dummheit, Arroganz und Verrohung salonfähig zu halten. Bedauerlicherweise funktioniert so aber das System. Promis – *hüstel* – und Influencer sind die Stars von heute. War früher intellektuelle Leistung, herausragendes Können oder eine großartige Entdeckung nötig um als Star bezeichnet zu werden, reicht es heute aufdringlich genug zu sein und sein Gesicht immer und immer wieder in eine Kamera zu halten. Penetranz ist das einzige was zählt … ist wie mit Viren. Von der Dichte hängte das Risiko ab. Influencer liegt phonetisch vermutlich nicht umsonst so nah bei Influenza.

Leider kommt Frau Dittrich zum Ende ihrer Kolumne aber zu einem falschen Abschluss.

“Damit sie in ihrer verblendeten Ego-Insta-Welt vielleicht irgendwann begreifen, dass sich menschliche Größe nicht über die Anzahl der Follower definieren lässt.”

Dieser Ansatz wird nicht funktionieren – die Dummheit hat längst gewonnen – schon anzunehmen, das diese Individuen “begreifen” können ist für mich befremdlich. Die bekommen Geld dafür sich darzustellen. Je beschissener sie sich benehmen um so mehr Presse bekommen sie, um so mehr Geld bekommen sie …. Ein bisschen wie Brot und Spiele im alten Rom. Also – wieso sollten sie begreifen wollen?

Und es ist doch gut wie es ist, oder?

Die Fernsehsender verdienen Geld, die Werbetreibenden verdienen Geld, die Pseudo-Stars bekommen auch ein Taschengeld dafür, das sie den Rest ihrer Menschenwürde verkaufen, die Schreiberlinge werden nach Wörtern oder Zeilen bezahlt – also ist die Menge des zu sichtenden Mülls auch Grundlage für deren Einkommen. Tja – und die Influencer erfreuen sich an der Zahl ihrer Follower.

Und für mich? Für mich ist auch alles in Ordnung. Mein Fernseher hat eine Off-Taste und ich lese weiter Verenas Kolumne – den TV Scheiß muss ich ja nicht lesen. Der Vorteil des Internets.

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