… braucht man das eigentlich?

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay


In den letzten Wochen habe ich mich um neue Beschäftigung bemüht. Nein – aktuell suche ich noch nicht nach einem neuen Arbeitgeber – aber nachdem mich mein Diabetes in den Rollstuhl verfrachtet hat und ich nicht mehr länger stehen und erst recht nicht laufen kann habe ich extrem viel Zeit. Zeit die ich dummerweise nicht so nutzen kann, wie ich es gerne möchte. Vor die Tür gehen … heißt auf den Balkon zu gehen – der Weg bis zur Grundstücksgrenze ist schon eine Herausforderung. Ab und an gehe ich diese Wege – denn dauerhaften Sitzen oder Liegen ist zwar gut für meinen Fuß aber nicht für meine Arterien. Abgesehen davon liegt mir die Dauerisolation auch nicht – ich bin nicht dafür gemacht den ganzen Tag zu Hause zu sein. Nicht das es mir hier nicht gefallen würde – aber irgendwie hat mein aktueller Zustand was von offenem Vollzug. Du kannst theoretisch überall hingehen, hast aber keine Ahnung wie Du da hin kommen sollst. Ohne fremde Hilfe ist die Grundstücksgrenze ungefähr so weit weg wie der Horizont.

Zum Glück war heute mal wieder Samstag. Samstage sind gute Tage um über den Horizont hinaus zu schauen.

Die Tage innerhalb meines Horizontes beschränken sich im Allgemeinen auf das tägliche Leben zu Hause sowie die Welten die mir mein Computer eröffnet. Da kann man zum einen den ganzen Tag mit Videos streamen verbringen. Immer noch besser als fernsehen – denn den Müll dort kann man nur eine gewisse Zeit lang ertragen. Das schöne am Streamen am PC ist, das man das ganze, wenn man es leid ist ins Fenster verbannen kann und nebenher surfen kann – was mir die bessere Zeitverwendung zu sein scheint. Ich habe mal irgendwann Datenverarbeitungskaufmann gelernt. Webdesign, Entwicklung von Datenbanken … all das, was man heute schnell und einfach per WordPress & Co erledigen kann. Also die Optik und das Design … ich will keinem auf die Füße treten – aber da liegt kaum noch eine Herausforderung. Von daher muss man sich mit den Inhalten befassen. Das erste Projekt das ich begonnen habe ist marcollect.de – Die Domain habe ich nach dem Ableben meines Vaters geerbt. Die Hinterlassenschaft beschäftigt mich ganz gut – da kann ich mich noch jahrelang mit beschäftigen. Jetzt ist das Thema dort allerdings eher einseitig – und geerbt. Ich werde es weiter pflegen da es viele Menschen gibt, die mich nach dem Tod meines Vaters darum gebeten haben und um der Sammlung einen Sinn zu geben.

Um ab und an was anderes zu sehen habe ich mir dann diese Domain zugelegt und mir vorgenommen jeden Tag zu irgendeinem Thema zu schreiben. Ich habe viele Blogs gelesen – meist zum Thema Reisen im Wohnmobil. Wenn man schon nicht woanders hinkommt, kann man so wenigstens anderen dabei über die Schultern schauen. Auch Fachblogs waren dabei – das Thema WordPress, trotz der vielen Komfortmöglichkeiten ist ja auch nicht in 5 Minuten verstanden – ich suche und finde immer noch Neues. So lese ich und schreibe und versuche immer weiter dazu zu lernen.

Irgendwann bin ich natürlich auch über all die anderen “Social-Media” Dinger gestolpert – persönlich habe ich die nie gebraucht und auch nie verstanden, was die Leute daran finden. Heute weniger als früher bin ich ja auch schon mal unter Menschen gegangen. Zum Einen arbeite ich mit Menschen – wobei ich nicht jedem davon zusprechen würde, das das was er täglich leistet Arbeit ist. Diese besonderen Exemplare sind dafür umso affiner zu all den kleinen bunten Logos am unteren Rand dieser Seite. Facebook, Twitter, Xing, Instagram und und und ….

Und dann fiel mir auf, das fast alle Blogs die ich gelesen habe irgendwo mehr oder weniger von diesen Knöpfen haben. Jetzt bin ich ja bekanntlich eher der altmodische Typ. Statt Prosecco ziehe ich einen alten Whisky vor – gerne besonders und sicher kein Bourbon. Aber egal – wir waren bei den Social-Media-Buttons. Inzwischen habe ich natürlich auch rum getestet und herausgefunden wie die Teile funktionieren. Schon witzig, wie man damit einen einzelnen Beitrag einfach und optisch ansprechend multiplizieren kann. Das ist so einfach – das kann sogar der orange Mann – und manch anderer, der sonst nichts kann. Einige verdienen damit sogar Geld – und das nicht knapp. Eine sehr faszinierende Welt. Wo aus Sch… Gold gemacht wird.

Meine Tage beginnen immer mit ntv.de – morgens schauen, was es neues gibt – und worüber man sich ja vielleicht mal auslassen könnte, oder worüber es sich lohnen könnte noch andere Quellen zu befragen. Irgendwann bin ich dann bei ‘In Vino Verena’ angekommen. Unter der Überschrift schreibt eine junge Dame vorzügliche Kolumnen – meist über Trash-TV. Es soll Leute geben, die zum Einen diese Sendungen ertragen (meine Fernbedienung hat einen Off-Schalter für sowas) und die dann noch darüber lesen möchten. Wobei ich ja eher vermute, das das zwei Kundenkreise sind – die die das im Fernsehn verfolgen, können vermutlich gar nicht lesen. Mich interessieren dann eher die anderen Themen – Politik ist da deutlich ansprechender für mich als wenn sich intellektuelle Nullpunkte in Containern oder in Sommerhäusern zusammenrotten. Aber egal – auch in der Kolumne finden sich die üblichen verdächtigen – wenn auch nicht so bunten wie unten – Knöpfchen. Also hab ich mal nicht nur gelesen, sondern auch mal an die kleinen Knöpfchen gedrückt. Und siehe da – auf allen Plattformen das Gleiche. Überall die gleichen Themen, überall die gleichen Inhalte – überall das gleiche Gesülze. Teilweise sogar die gleichen Leute die da genau das gleiche über alle Plattformen verteilen – als wenn es darum ginge die Foren da und dort voll zu bekommen.

Leute – ich verrate Euch mal was. Man kann ein Forum, einen Kanal, einen Channel, eine Insta-Story (was ein Schwachsinnsbegriff) nicht VOLL bekommen. Es schadet also nichts, wenn ihr mal ein wenig langsamer macht und ein wenig mehr im realen Leben verweilt. Man muss auch nicht immer der Erste sein, der seinen Senf irgendwo dazu gibt. Wer schneller tippt als er denken kann, riskiert sich so zu blamieren wie der orange Mann. Manchmal sollte man sich vielleicht einen Kaffee besorgen und nochmal nachdenken, bevor man wieder auf das Display einhämmert. Vielleicht bewahrt Euch das auch vor dem bekannten Handy-Buckel, den Haltungsschäden, der Kurzsichtigkeit – und dem Risiko gegen Laternen zu rennen, weil der Blick permanent am Handy klebt.

Ich war heute in der Stadt. Meine Frau konnte mal wieder stöbern – weil der Terzel nicht drängelte. Habe ich nämlich keinen Grund zu. Ich sitze gut – in meinem Rollstuhl. Und kann die Leute beobachten – ihnen in die Augen schauen – mehr sieht man ja wegen der Masken nicht. Und da ich im Rollstuhl sitze habe ich den richtigen Blickwinkel, um sogar denen in die Augen schauen zu können, die eigentlich nur ihre Social-Media sehen. Einige schienen davon dermaßen gefesselt ….

Setzt Euch einfach selbst mal draußen hin und schaut denen zu. Lasst das Handy einfach mal stecken – ausmachen am Besten, dann können die Apps auch nicht terrorisieren. Und ich verspreche Euch – die Welt wird nicht untergehen und nicht stillstehen. Und wenn ihr dann mal richtig durchatmet werdet ihr auch merken, das man den ganzen Mist nicht braucht. Ein Kanal – oder was auch immer – reicht vollkommen. Den Rest kopieren andere für Euch.

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