… das Leben hat auch schöne Seiten

Photo by Adam Wilson on Unsplash


Es gibt immer noch Mitarbeiter die mich ab und an anrufen und neben Fragen zum Job auch Interesse an meinem Gesundheitszustand haben. Die Menschen mit denen ich zuletzt zusammen gearbeitet habe, kennen mich eigentlich immer nur präsent – wobei die Uhrzeit nie eine Rolle gespielt hat. Meinen ersten Dienst habe ich damals um halb vier morgens begonnen – man muss ja mal sehen wo man da so hin kommt. Und es bot die Chance bereits die Nachtschicht – die ja um 06:00 heim geht – kennen zu lernen. In den letzten mehr als vier Jahren hatte man sich daran gewöhnt, das ich zu den unmöglichsten Uhrzeiten an irgendwelchen Standorten aufgetaucht bin. Zum Einen gehört es zu meinen Pflichten die Mitarbeiter anzuleiten und zu kontrollieren – auf der Anderen Seite wollen die Mitarbeiter natürlich auch gehört und betreut werden. Zeit die man im Lauf des Tages leider viel zu selten hat – im Sicherheitsgewerbe ist man ja meist nur von der aktuellen Lage getrieben.

Einzig der Sommerurlaub war mir schon immer heilig. Drei Wochen im Jahr an denen ich für nichts und niemanden erreichbar sind. Die Nerds nennen das Digital-Detox – ich habs früher schon einfach ‘Handy-Ausschalten’ genannt. Einfach mal Zeit für sich selbst und die Familie haben. Nach der ersten Woche kommt man dann zur Ruhe und kann mal wieder ausschlafen – nachdem der Wecker 48 Wochen lang morgens um halb fünf Randale geschlagen hat.

Und dann kam mir die Gesundheit in die Quere – bzw. sie kam mir abhanden. Schon eine ganze Weile hatte ich Probleme beim Laufen, die ich aber auf Umknicken oder sonst was geschoben habe. Wird schon werden – einfach mal abwarten. Das übliche Dilemma wenn man seinen Job ernst nimmt – für Arztbesuche hatte ich keine Zeit. Außerdem gehen da ja nur Kranke hin – und krank war ich ja nicht. Ich konnte ja schließlich noch laufen – wenn auch nicht mehr so rund wie mit zwanzig. Aber zwanzig bin ich ja auch nicht mehr. Also war doch alles gut. Oder?

Irgendwann kam dann der Tag an dem ich akzeptieren musste, das es so wie es war, nicht weiter gehen konnte – nachdem ich bei einer Vollbremsung das Gefühl hatte, das es mir den Fuß am Knöchel abreißt, habe ich die Entscheidung getroffen, das ich das Risiko für mich und mein Leben – damit für meine Familie und natürlich auch für das Fahrzeug meines Arbeitgebers nicht mehr tragen kann.

In der Folge bekam ich dann aufgezeigt, was so alles im Laufe der Jahre vor die Hunde gegangen ist – das Eine oder Andere wäre vielleicht nicht so eskaliert, wenn ich mich früher drum gekümmert hätte. Vielleicht – sicher weiß das niemand. Morgen habe ich mal wieder eine CT Untersuchung – mal schauen wie das ganze jetzt aussieht und vielleicht kann ich dazu dann ja hier mal was Konkretes schreiben.

Aber das sind eher die nicht so schönen Seiten des Lebens – also meines aktuellen Lebens. Inzwischen habe ich mich glaube ich ganz gut darauf eingerichtet. Ich habe aufgehört zu rauchen – was angesichts der Lage wohl so ziemlich in letzter Sekunde war. Ich habe mir den Zucker abgewöhnt – Man kann sich in der Tat mit deutlich weniger Zucker ernähren. Kohlenhydrate – die ja im wesentlichen den Blutzucker beeinflussen (Zucker ist nur ein Faktor) – sind da schon schwieriger. Kartoffeln, Nudeln, Reis …. alles pfui. Angucken ja, Essen eher nicht. Was so auch nicht stimmt – aber man muss es vorher überdenken, was und wie viel man sich davon antut. Bisher hatte ich nur ein Langzeitinsulin – jetzt habe ich ein weiteres mit dem ich akut Injizieren kann. Liegt da eine Pizza so dermaßen im Weg, das ich nicht dran vorbei komme, kann ich jetzt intervenieren. Zwei kleine Kartoffeln gehen – drei große muss ich schon mit dem aktuellen Blutzucker abgleichen. Wobei ich mich inzwischen ja an kohlenhydratarme Ernährung gewöhnt habe.

Käse zum Beispiel – kann man direkt vom Rad naschen ohne Reue. Da wird das Leben doch schon wieder schön. Die Sorte ist relativ egal – Käse geht immer. Ohne Baguette natürlich. Und ohne Rotwein. Denn Rotwein ist Pfui. Rotwein enthält Zucker und treibt somit den Blutzucker in die Höhe. Also wird’s nichts mit französischem Lifestyle. Deutsch wird’s auch eher nichts – Weißbrot, Graubrot, Schwarzbrot – alles was Getreide enthält treibt den Blutzucker. Kann man Essen – muss man ja auch, sonst fällt das Frühstück generell flach. Müsli ist ja auch ohne Getreide nichts – aber eben nur kontrolliert und in Maßen.

Aber der Käse …. das Leben kann schön sein in seiner ganzen Vielfalt.

Bild von corinnabarbara auf Pixabay

Ein Bild aus dem Paradies. Ein Bier dazu …. und schon ist es mit dem Blutzucker wieder Essig. Manchmal ist’s zum Mäusemelken. Wobei – für alle Diabetiker die hier landen, auf der Suche nach dem Leben – auch Bier ist vermutlich ok. Wie immer macht es die Menge – bei uns als Diabetikern mehr als bei dem Anderen und der eigene individuelle Stoffwechsel.

Wie immer ist es bei Alkohol die Menge die das Problem macht – ich war immer schon ein Freund von Qualität statt Quantität. Jetzt ahnt der gewogene Leser natürlich schon anhand des Bildes das ich hier weder von Wein noch vom Bier schreiben möchte.

Whisky, das Wasser des Lebens.

Abgesehen davon das ich einige der Geschmäcker schätze hat der Whisky auch eine beeindruckende Wirkung auf den Blutzucker.

Achtung – dies ist kein medizinischer Rat. Jeder Mensch reagiert anders auf Alkohol – Ich übernehme für nichts die Verantwortung.

Ich hatte mich schon zu Studentenzeiten an die Whiskys aus den Highlands heran gearbeitet. Bourbon taugt in meinen Augen nur für Fußbäder – Johnny Walker und Co kann man immerhin in die Cola kippen. Ich bin allerdings eher ein Freund des puren Genusses und den bekommt man kaum im 20€-Regal. Whisky hat dabei den Vorteil, das er keinen Zucker enthält (Liköre dürften da ausfallen – gibt es aber in meinem Schrank ohnehin nicht.) Ich mag es eher würzig und schroff – die Island-Whiskys stehen dabei ganz oben, der Eine oder Andere Highland Whisky konnte mich ebenso überzeugen wie die Iren.

Käse und ein guter Whisky – heute war es ein Mackmyra Jaktlycka. Nicht jeder gute Whisky muss aus Schottland oder Irland kommen. Und man muss ja schon mal schauen wo man was Gutes bekommt, wenn der Engländer sich entscheidet seine Insel doch in einen Bauernstaat umzuwandeln.

Aber auch dann werde ich im Schrank sicher einen guten Tropfen finden um darauf anzustoßen. Sollte das Thema Whisky irgend wen interessieren lohnt es sich Anfang des Dezember wieder rein zu schauen – da gibt es dann mehr aus meinem Whisky-Schrank – inklusive der Wunschliste. Weihnachten steht ja angeblich – trotz Corona – vor der Tür.

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