… in stillem Gedenken

Bild von Charles Thompson auf Pixabay


Am 03. November 2020 wurde in den USA die 59. und letzte freie Wahl zur Präsidentschaft abgehalten.

Nach 231 Jahren wurde in Folge der Wahl das Prinzip der rechtsstaatlichen, demokratischen Grundordnung vom angeblich mächtigsten Mann der Welt abgeschafft. War es früher üblich den Sieger zu verkünden, nachdem alle Wahllokale ausgezählt sind, stand der Sieger dieser Wahl scheinbar schon vor der Abgabe der ersten Stimmen fest. Das System ist bekannt und wird zum Beispiel in Nordkorea seit Jahrzehnten mit Erfolg praktiziert. Allerdings nennt sich dort auch niemand Demokrat. In einigen anderen Ländern wird offen an der demokratischen Unordnung gezweifelt – Belarus als Beispiel in den Blog geworfen – aber das stört am Ende ja scheinbar auch keinen. So lange die Geschäfte florieren kann man ja mal drei Gerade sein lassen.

Mich hat gewundert das Slowenien als Erstes gratuliert hat. Gerade hier hatte ich vermutet, das man nach Jahrzehnten der Diktatur ein ausgeprägteres Verständnis für Demokratie vorhanden sei. So kann man sich täuschen.

Aber die Gratulationen aus dem Rest der Welt werden schon auch noch kommen. Schließlich sind die USA ja ein respektabler und wichtiger Handelspartner. Druff geschissen – ich hätte direkt nach dem Putsch durch Herrn Trump alle amerikanischen Einrichtungen unter Quarantäne gestellt. Bürger einer Diktatur bewegen sich nicht frei in unserem Land. Aber wer bin ich schon ….. achja, ich bin ja nur ein Wähler.

Blöd ist nur das ca. 250.000 US-Bürger nicht zur Wahl antreten konnten. Die hätten vielleicht geholfen die Wahl im Sinne des aktuellen Präsidenten zu entscheiden. Fatalerweise hat er sich aber entschieden diese Menschen an Corona sterben zu lassen – brauchte man ja ohnehin wohl nicht, da der Sieger ja bereits fest stand.

Über 200 Jahre lang hat ein Volk zu seiner Nation gestanden, wurde in einer Art und Weise zusammen geschweißt, die ich als mehr als Zweifelhaft betrachte. Hymnengesinge im Kindergarten, Nationalflaggen vor jeder Tür …. aber, und das muss man den Amerikanern lassen – sie haben es weitestgehend geschafft eine Nation zu bilden. Auch wenn sie manchmal von Kriegstreiberei lebt und vor Größenwahn strotzt.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten hat man uns immer gesagt. Sorry … das Land der Verblendeten und Verblödeten sage ich. Wobei ich der Bevölkerung hier keinen Vorwurf machen mag – die Amerikaner, die ich kennen gelernt habe waren alle nett und aufgeschlossen. Aber das System weißt einem halt den Weg. Wenn man bedenkt das alleine die Sender von Rupert Murdoch fast die Hälfte alle Amerikaner beeinflusst und man angesichts der Menge von Sendern auch durch zappen immer wieder im gleichen Meinungsbild landet, darf man sich nicht wundern, das man am Ende ein Volk hat, das ähnlich schlecht informiert ist wie die Nordkoreaner oder die Chinesen. Mit dem Unterschied, das der Amerikaner an Nachrichten kommen könnte – wenn man ihm nicht das selbständige Denken abgewöhnt hätte. Man denke nur mal an die Aufkleber “Nicht zum trocknen von Haustieren geeignet” auf Mikrowellen oder Schildern mit dem Text “Das Öffnen während der Fahrt kann zu schweren / tödlichen Verletzungen führen” auf der Innenseite von Autotüren. Wer so durchs Leben geführt wird braucht nicht selbst zu denken. Also warum das Kreuz nicht da machen, wo die nette Dame im Fernsehn es empfiehlt?

Jetzt hatte ich ja das Glück in einem Land aufzuwachen, das auf der Bösen Seite gestanden hat. In unserem Land gibt es keine Heldenfriedhöfe, keine Gedenkmärsche für die Gefallenen und auch keine Veteranenverbände die historische Schlachten nachstellen. Auch wenn wir hoffentlich nie vergessen was in Europa und speziell in Deutschland im letzten Jahrhundert passiert ist, freue ich mich doch, nicht täglich daran erinnert zu werden. Anders in den USA, wo das Gedenken regelmäßig offen und feierlich praktiziert wird. Und jetzt?

Weit über 1.000.000 Menschen sind dafür gestorben, das der orange Mann sich hinstellt und auf ihre Gräber pinkelt, das Baum der Freiheit und der Demokratie per Twitter gefällt wird. Das ist wahrlich respektabel – Mr. President und zeugt von großer Verbundenheit mit der Nation und ihren Vorfahren. Ihr Grundverständnis für Freiheit und Demokratie blendet mich immer wieder.

Statistik: Anzahl der gefallenen US-Soldaten in Kriegen der USA in den Jahren 1776 bis 1991 | Statista

Ich mag dieses Affentheater nicht mehr hören. Demokratische Wahlen wurden in den USA schon vor Jahrzehnten abgeschafft, als man dazu übergegangen ist, das man die Präsidentschaft kaufen kann. Sachargumente stehen da nur im Weg, ähnlich wie das Volk mit seinen sonderbaren Ansprüchen. Die USA sind und waren für mich immer schon ein System, das seine Zeit überlebt hat. Das aus Arroganz geboren ein Selbstverständnis entwickelt hat, in dem ich geschenkt nicht würde leben wollen. Das Vormachtdenken fußt bereits auf Völkermord (darf man noch Indianer sagen?) – und in jedem Jahrzehnt hat es irgendwo Tote gegeben, Das Grundrecht auf Waffenbesitz in allen Ehren, suggeriert aber auch, das man nur schneller schießen können muss als der andere, um zu bekommen, was man haben will. Gibt es eigentlich irgendeinen Fleck auf der Welt, an dem die USA ihre Freiheit noch nicht verteidigt haben?

Und dann die ganzen Spitzelvereine – CIA, FBI, NSA …. und ja, ich habe auch den Umgang mit den Daten eines Herrn Snowden verfolgt. Seitdem sind bei meinen Geräten alle Mikrofone abgeklemmt – Alexa und Co kommen mir nicht ins Haus – nein, ich habe nichts zu verbergen, aber ich denke, die Spitzelvereine haben auch ohne Aufnahmen aus meinem Haushalt genug zu tun. Gut das das dumme Volk so schön vor Murdoch TV sitzt und schnell vergisst.

Ich habe hier noch ein schönes Zitat gefunden – und vielleicht ist es ja mal wieder an der Zeit für einen neuen amerikanischen Helden:

„feierlich zu beschließen, daß diese Toten nicht umsonst gestorben sind, daß diese Nation unter Gottes Fügung eine Wiedergeburt der Freiheit erleben wird und daß die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk niemals vom Erdboden verschwinden darf.“ – Schluss von Lincoln Ansprache zur Einweihung des Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld Gettysburg am 19. November 1863. Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens, Band I (2009) S. 748 books.google

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